Die Frühjahrslorchel: Früher Speise- heute Giftpilz!

An den hirnartigen Windungen ist die Frühjahrslorchel gut von den Morcheln zu unterscheiden.

Nicht nur im Herbst, sondern auch im Frühling wachsen schon Pilze. Zu den ersten zählen Spitz- und Speisemorcheln, die man in den nächsten Wochen auf Rindenmulch in Gärten oder im Isarauwald an manchen Stellen finden kann.  Zeitgleich mit diesen hervorragenden Speisepilzen wächst aber auch die giftige Frühjahrslorchel mit dem wissenschaftlichen Namen „Gyromitra esculenta“.  Die Frühjahrslorchel galt früher ebenfalls als guter Speisepilz , daher auch der Zusatz „esculenta“ im issenschaftlichen Artnamen. Inzwischen weiß man aber, dass der Pilz schon mehrfach für schwere, ja tödliche Vergiftungen verantwortlich war. Trotz der altbekannten Tatsache, dass die Frühjahrslorchel abgekocht werden muss, um den Giftstoff zu entfernen, sind auch nach korrekt hergestellten Mahlzeiten Todesfälle vorgekommen. Das verantwortliche Gift wird als Gyromitrin bezeichnet. Es ist hitzelabil, leicht flüchtig und wasserlöslich, weswegen die Frühjahrslorchel früher nach zweimaligem Abkochen oder längerem Trocknen gegessen wurde und auch Marktpilz war. Der Gehalt an Gyromitrin in den Pilzen schwankt stark, was neben Akkumulierungseffekten die Erklärung dafür sein könnte, dass manche Personen die Lorchel folgenfrei jahrelang genossen haben, während andere schwere Vergiftungen erlitten. Nach einer Latenzzeit von 6-12 Stunden treten Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen jedoch nur selten wässrige Durchfälle auf. In leichten Fällen klingen diese Beschwerden nach 2-5 Tagen ab. Bei der schwereren Verlaufsform kommen nach dieser Zeitspanne Anzeichen von Leberschäden sowie z.T. Störungen des Zentralnervensystems vor. . Der Pilz hat eine außergewöhnliche Form. Die Hutoberfläche weist zahlreiche tiefe Furchen und Windungen auf, die eher an ein Gehirn als an einen Pilz erinnern. Durch die Form des Hutes ist die Lorchel auch gut von den Morcheln zu unterscheiden. Die Hutoberfläche der Morcheln erinnert eher an eine Bienenwabe als an ein Gehirn. Wer die Frühjahrslorchel findet kann zuerst einmal stolz sein, denn der Pilz ist bei uns ziemlich selten. Zur Aufnahme in die Landkreispilzkartierung sollen Funde an den Bund Naturschutz, Tel. 08731/60981 gemeldet werden.