Der flockenstielige Hexenröhrling

Rotgeflockter Stiel und samtig brauner Hut sind erste Erkennungsmerkmale für den Flockenstieligen Hexenröhrling. (Foto: A. Hussong, Pilzsachverständiger)

Juni 2015
Auf den ersten Blick erscheint dem unerfahrenen Pilzsammler dieser Pilz nicht besonders einladend. Mit seinen leuchtend roten Poren und dem intensiven Blauen des Fleisches bei Verletzung wirkt der Pilz wahrlich ein bisschen unheimlich und der Name „Hexenröhrling“ trägt auch nicht direkt zur Beruhigung bei. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall! Der Flockenstieligen Hexenröhrling (Neoboletus luridiformis) gehört zwar zu den roh giftigen Pilzen aber ausreichend gekocht oder gebraten ist der festfleischige  Pilz sehr wohlschmeckend. Es handelt es sich um einen wahren Leckerbissen der dem Steinpilz zumindest ebenbürtig ist, sich auch sehr gut zum Trocknen eignet und nicht so sehr von Maden befallen wird wie viele andere Röhrlinge. Man findet ihn von Juni bis Oktober, vorzugsweise auf sauren Böden bei Fichte, seltener unter anderen Nadelbäumen und gelegentlich auch bei Buchen oder Linden. Der Hut des teils sehr stattlichen Pilzes kann bis 20 cm breit werden und ist meist dunkelbraun. Die Bezeichnung „Schusterpilz“ entstand wegen der wildlederartigen Oberfläche des Huts. Die Röhren sind gelb und haben rote Mündungen (Poren) die sich bei Berührung sofort schwarzblau verfärben. Der Stiel ist auf gelblichem Grund dicht mit karminroten Schüppchen bedeckt, es ist keine Netzstruktur erkennbar. Der Stiel ist dick, fest und wie auch das Hutfleisch bei Verletzung sofort dunkelblau verfärbend. Das Fleisch verfärbt sich in der Pfanne zunächst schwarz, dann wird es wieder gelb. Für die Blaufärbung bei Druck oder Beschädigung des Pilzes sind enzymatische Oxidationsreaktionen verantwortlich die auch bei anderen Pilzen wie z.B. den Maronenröhrlingen, beobachtet werden können. Die Blauverfärbung ist also kein Zeichen von „Hexenmagie“ oder Giftigkeit sondern ein an sich harmloser Effekt. Es gilt hier sogar die Regel: Alle blauverfärbenden Röhrlinge ohne Netzzeichnung am Stiel sind essbar. Damit wären wir auch schon bei den Verwechslungsmöglichkeiten: Der Netzstielige Hexenröhrling (Suillellus luridus ) hat, wie der Name schon sagt, eine deutliche Netzzeichnung am Stiel, besonders im oberen Bereich kurz unter dem Hut. Er ist nach ausreichender Erhitzung essbar und ein durchaus beliebter Speisepilz. Der giftige Satansröhrling (Rubroboletus satanas) hat ebenfalls rote Poren und läuft bei Druck leicht blau an, die Blauverfärbung ist aber nicht so stark und schnell, der Hut ist meist heller und der Stiel besitzt ein hellgelbliches bis rotes Netz. Der Geruch wird im Alter unangenehm aasähnlich. Er wächst gerne auf Kalk und ist ein eher seltener Pilz. Er verursacht schwere Magen-Darm-Erkrankungen mit heftigem Erbrechen. Daher lieber zuerst noch mal genau im Bestimmungsbuch nachlesen und bei Zweifeln die Pilzgruppe Dingolfing-Landau kontaktieren. Tel. 09951 601318.