Die Nebelfahrt endlich beenden!

Meindl, Mergner und Aigner warben für ein breites Engagement im Naturschutz. Auch Gartenbesitzer sind gefordert.

02.11.2019

Dramatischer Insektenverlust, schlechte Nachrichten beim Trinkwasser, mangelnde Erfolge beim Gewässerschutz, eine stockende Energiewende, immer bedrohlicher werdende Aussichten auf eine kommende Heißzeit, traurige Bilanzen bei den Feldvögeln und noch andere Meldungen aus dem Umweltbereich ermuntern die Aktiven in den Umweltverbänden nicht unbedingt für weitere Anstrengungen. Trotzdem war von Aufgeben keine Rede bei der Jahreshauptversammlung der Bund Naturschutz Kreisgruppe. Nein, es wird an laufenden Projekten zuverlässig gearbeitet, neue werden gestartet. Alois Aigner, der Kreisvorsitzende, konnte eine positive Bilanz der Arbeit ziehen, deren Erfolge aber dennoch immer neu eingeordnet werden müssen.

Wichtigster Gast des Abends war Richard Mergner, der Landesvorsitzende. Die Jahreshauptversammlung fand  im Gasthaus Alte Mühle in Mamming  im gut gefüllten Saal statt. Die Kommunalpolitik aber glänzte mit Abwesenheit, nur zwei Kreisräte waren zur Hauptversammlung der Kreisgruppe des größten Umweltverbandes Bayerns gekommen, wie Alois Aigner feststellte.

"Unsere Gesellschaft fährt 200 km/h bei dichtem Nebel. Wir tun so als wüssten wir nicht was vor uns kommt, wissen nicht einmal, ob wir auf der richtigen Spur sind. Aber die Leute am Steuer, wie Scheuer und Altmaier drücken weiter auf das Gas und im Fond sitzt Merkel als Fahrgast und sagt dazu kein Wort". Alois Aigner fand dramatische Vergleiche mit der Situation, in der sich unsere Zivilisation zur Zeit befindet. Alle Daten, die für das Überleben dieser Zivilisation entscheidend sind, nähern sich in exponentiell steigender Geschwindigkeit Grenzwerten, die keine Rückkehr mehr ermöglichen, oder sind schon darüber hinweg. Hoffnung gibt nur ein gesellschaftlicher Wandel, der in einer beispiellosen Unterstützung des Artenschutz-Volksbegehrens sichtbar wurde oder in der mittlerweile einflussreichen Friday-for-Future Bewegung der Generation der nach 2000 Geborenen.

Franz Hofbauer konnte als Kassier wieder eine Kassenbericht vorlegen, der trotz der vielfältigen Aufgaben ausgeglichen ist. Die Voraussetzungen für die Gemeinnützigkeit konnten ohne weiteres erfüllt werden. Sie gilt jetzt wieder bis 2023.

Richard Mergner ermöglichte in seinem bewusst auf Bilder verzichtenden Vortrag fesselnde Einblicke in die Tätigkeit eines Umweltverbandes mit über 240.000 Mitgliedern.

Noch ganz frisch, so Mergner, ist eine Begegnung mit Dr. Randolf Menzel, einem Neurobiologen, der sich dem Überleben der Bienen verschrieben hat. Er hat nachgewiesen, dass Prüfverfahren für Ackergift vollkommen sinnlos und damit gefährlich sind. Ein Mittel gilt als bienenfreundlich, wenn bei der direkten Anwendung die Hälfte der Individuen überleben. Dr. Menzel konnte aber nachweisen, dass die Tiere beispielsweise bei Neonikotinoiden gar nicht sterben, sondern die Orientierung verlieren und damit ebenfalls verloren gehen. Diese Erkenntnisse werden bis heute nicht in die Prüfverfahren integriert.
Ganz jung sei auch noch die Erinnerung an den Abschluss der "Wiesenmeisterschaft", bei der Landwirte mit den schönsten Wiesen ausgezeichnet werden. Hier erhalten Landwirte die so oft vermisste Anerkennung für Leistungen im Naturschutz. Bei der Feier im Landwirtschaftsministerium allerdings hatte sich die zuständige Ministerin entschuldigt und war dann auf dem Podium bei den vor dem Gebäude demonstrierenden Bauern um dort Stimmung gegen die höheren Umweltauflagen ihrer eigenen Regierung zu machen.

Mit dem gewonnenen Volksbegehren sei es allerdings gelungen, die beiden Regierungsparteien quasi zwangsweise als Kooperationspartner zu gewinnen. Er freue sich, so Mergner, auf die Umsetzung des Biotopverbundes, auf die Ausweitung der Nachfrage der Bioprodukte durch politische Maßnahmen, auf die neuen Gewässerrandstreifen und vor allem auf die Wiedervernässung der Moore. Gerade von letzterem Projekt könnte der Landkreis Dingolfing-Landau in besonderer Weise profitieren. Wichtig dabei sei, dass durch entsprechende Mittelumleitungen die dadurch notwendig werdenden Bewirtschaftungs-konzepte  auch den Landwirten zum Vorteil  gereichen. Wir leben in einer Zeit, so Mergner, die jeden einzelnen fordert, ob als Unternehmer, Landwirt, Verbraucher oder Gartenbesitzer. Dabei könnten viele kleine Dinge etwas Großes bewirken, wenn miteinander statt gegeneinander gearbeitet wird.