Auf die richtige Erde achten!

Viele Hobbygärtner kaufen in diesen Tagen Blumenerde ein, um den Garten frühlingsfit zu machen. Doch Vorsicht: Die meisten Produkte bestehen überwiegend aus Torf. Torfabbau zerstört unsere Moore und fördert die Klimakrise. Chemische Düngemittel und Pestizide sollten ebenfalls tabu sein. Die Kreisgruppe Dingolfing-Landau des BUND Naturschutz gibt Tipps, worauf man beim Einkauf im Baumarkt oder Blumenhandel achten sollte.
Handelsübliche Blumenerde besteht überwiegend aus Hochmoortorf, der durch Abbau natürlicher Moore gewonnen wird und diese zerstört. Moore bestehen aus Torf, der sich im Laufe tausender Jahre aus den abgestorbenen Teilen von Pflanzen bildet und damit Kohlenstoff speichert. Torfabbau ist nicht nur schädlich für Moore und damit fürs Klima, sondern auch überflüssig, denn kaum eine Gartenpflanze braucht Torf.
Für den Torfabbau werden Moore entwässert. Dadurch verlieren seltene und vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen, von denen viele nur in Mooren vorkommen, ihren Lebensraum. In Bayern sind 95 Prozent der Moore trocken und verursachen mit etwa fünf Millionen Tonnen Co2-Äquivalenten einen Anteil von rund sechs Prozent der energiebedingten bayerischen Treibhausgasemissionen. In Bayern ist der Torfabbau weitgehend eingestellt, daher kommt viel Torf aus den noch weitgehend natürlichen Mooren Ost-Europas. Moore vor allem im Baltikum und Osteuropa werden zerstört, nur damit in unseren Gärten Rhododendren oder Dahlien optimal versorgt werden. Dabei gibt es in jedem Gartencenter torffreie Erde zu kaufen. Aber Achtung: Viele Gärtner greifen immer öfter zur sogenannten Bio-Erde. „Bio“ bedeutet nicht gleich torffrei! Der BUND Naturschutz bittet darum, auch auf torfreduzierte und torfarme Erde zu verzichten. In Zeiten von Klimawandel und Artensterben, darf kein Kompromiss mehr gemacht werden – auch nicht beim Gärtnern (Mehr Infos hier: Torffreie Erde – den Mooren zuliebe | BUND Naturschutz in Bayern e.V. (bund-naturschutz.de)). Einen Einkaufsführer mit Auflistung von Herstellern, Produkten und Verkäufern torffreier Erde finden sie hier.
Ein weiteres Problem sind künstliche Düngemittel. Laut Umweltbundesamt gelangen jährlich 50 Kilogramm Stickstoff pro Kopf in die Umwelt. Das meiste über die Landwirtschaft. Trotzdem kann jeder Hobbygärtner helfen, diese Masse einzudämmen. Wenn jeder nur das düngt, was Pflanzen für ihr Wachstum brauchen, hätten wir weniger Probleme. Die Realität sieht leider anders aus: Überschüssige und fehlplatzierte Düngemittel werden ausgewaschen und landen im Grundwasser. Besser ist deshalb auf Chemie ganz zu verzichten und lieber mit Kompost zu düngen. Das schont nicht nur die Moore, sondert liefert der Pflanze alle wichtigen Nährstoffe, die sie nach und nach braucht (Mehr Infos hier: Kompost nutzen, Moore schützen (bund-naturschutz.de)).
Kleingärtner und Hausmeistereien hantieren zudem oft mit der Giftspritze - pro Jahr werden in Deutschland in privaten Gärten hunderte Tonnen Gift verteilt. Das können durchaus die gleichen Stoffe sein, die auch auf dem Acker verwendet werden, zum Teil sogar unter gleichem Markennamen. So ist das Breitband-Herbizid Roundup vom Monsanto-Konzern bei Landwirten und Hobbygärtnern gleichermaßen beliebt. Doch der Einsatz lohnt sich nicht. Wir vernichten dadurch die Vielfalt im Garten, gefährden unsere Gesundheit und schädigen nachhaltig die Umwelt. Mit dem Gift werden nicht nur ungeliebte Gäste und Beikräuter getötet, sondern auch erwünschte Insekten und Pflanzen. Der BUND Naturschutz bittet alle Hobbygärtner auf Pestizide zu verzichten: Das Summen und Brummen im Garten genießt man besser ohne Gift.
Hügelbeet anlegen!

Wer einmal in seinem Biogarten etwas neues ausprobieren will sollte sich ein Hügelbeet oder ein Hochbeet anlegen. Sie haben viele Vorteile gegenüber den herkömmlichen Gartenbeeten. Beide Kulturformen sind ertragreicher als als andere Freilandkulturen. Hügelbeete bringen im Vergleich zu Flachbeeten den doppelten, Hochbeete sogar den dreifachen Ertrag. Hügelbeete vergrössern die Anbaufläche des Gartens um 25 % und heben das Beet auf bis zu 80 cm in der Mitte an. Hochbeete heben die gesammte Beetfläche auf ca 70 – 80 cm an und ermöglichen dadurch ein bequemes Arbeiten auch für Ältere und Behinderte Menschen. Lästiges Umgraben und Bücken entfällt. Hoochbeete sind frei von Wühlmäusen und anderen Schädlingen, weil die hohen Wände und ein unten eingebrachter feinmaschiger Draht deren Eindringen verhindert. Bei einem Hochbeet muss der Rotteverlust immer wieder durch neuen Kompost ausgeglichen werden, was die Bodenqualität ständig verbessert. Hügel- und Hochbeete sind Warmbeete und erwärmen sich schneller als Flachbeete durch den Verrottungsprozess im Innern und die größere der warmen Fruhjahrsluft ausgesetzte Außenfläche. Ein um bis zu 4 Grad höhere Themperatur begünstigt die Keimung und das Wachstum der Pflanzen. Beide Beetarten sollten nicht in stark schattigen Lagen angelegt werden. Ein Infoblatt zum Bau von Hügel und Hochbeeten gibt es in der BN – Geschäftsstelle am Pfarrplatz 5 in Dingolfing
Dieser Garten ist nicht unordentlich!

Beim Artenschutz-Volksbegehren mussten sich so manche Naturschützer den Vorwurf gefallen lassen, was denn in der freien Landschaft besser gemacht werden soll, wenn sogar die Gärten immer naturfremder werden? Ein Vorwurf, der nicht unberechtigt ist. Denn leider sind richtig naturnahe Gärten inzwischen in der Minderzahl. Oft genug scheuen sich die Besitzer auch vor dem Vorwurf faul, unordentlich oder nachlässig zu sein, wenn im Garten nicht jede Ecke ausgeputzt oder perfekt gemäht ist. Dabei wäre weniger Ordnungsliebe für unsere nichtmenschlichen Mitbewohner so hilfreich. Wo soll denn der Stieglitz sich seine Samen holen, wenn jede Staude bereits im September „abgeräumt“ wird. Wo soll der Igel einen Schlafplatz finden wenn jedes Blatt und jedes Ästchen sofort in die Biotonne wandert? Wie soll der Zaunkönig sich wohlfühlen, wenn es keinen Gartenteich, keine Staudenschicht und kein dichtes Buschwerk gibt? Jeder Ast, der in einer nichtgenutzten Ecke liegen bleibt, entwickelt unterschiedliche Nahrungsangebote und Unterschlupfe im Laufe der Zeit, wenn diese ihm gewährt wird. Jedes Blatt, das nicht aufgekehrt wird, ist Nahrung für Würmer und in der Folge für Vögel. Gartenbesitzer, die ein Herz für vielen Bewohner einer kleinen Wildnis am Haus haben, brauchen mehr Selbstbewusstsein, um auch dafür werben zu können. Für diesen Zweck haben Aktive des Bund Naturschutz kleine Schilder für den Gartenzaun entwickelt, die die entsprechende Überzeugungen auch nach außen tragen sollen: „Dieser Garten ist nicht unordentlich, sondern ein Lebensraum für Insekten und Vögel“ heißt es darauf beispielsweise. Bilder über Pflanzen und Tiere, die von etwas Unordnung profitieren, schmücken das Schild.
Die Schilder können einfach am Zaun befestigt werden und sind in der Kreisgeschäftsstelle des Bund Naturschutz am Marienplatz (Sparkasseninnenhof) ab sofort erhältlich. Die Geschäftsstelle vermittelt über die Ortskontakte des BN die Verteilung der Schilder. Einfach telefonisch oder per EMail Kontakt aufnehmen. Die Schilder werden kostenlos abgegeben. Aber über eine kleine Spende dafür freuen wir uns natürlich.
Lange Freude an den Obstbäumen

7.3.2022
Am letzten Februarsamstag Nachmittag lud der Bund Naturschutz Landau auf die Streuobstwiese am Zanklberg zum Schnittkurs für alte Obstbäume ein. Mit 28 Teilnehmern war der Kurs sehr gut besucht. Baumpfleger Werner Glück erklärte den Teilnehmern worauf bei der Pflege alter Obstbäume besonders zu achten ist. Bevor man zu Schere und Säge greift, sollte man sich ein Bild vom Zustand des Baumes verschaffen, wobei vor allem auf die Stabilität und Vitalität zu achten ist. Schnittmaßnahme an alten Bäumen sollte auf den Baumerhalt ausgerichtet sein und das Wohl des Baumes in den Vordergrund stellen. Nur so gelingt es den Obstbäumen zu einem langen Leben zu verhelfen damit sich ihr volles ökölogisches Potential entfalten kann.
Vorstand Franz Meindl begrüßte die Teilnehmer auf der Streuobstwiese am Zanklberg. Diese wurde vor 30 Jahren vom Bund Naturschutz auf einem Grundstück der Stadt Landau angelegt.
Werner Glück erklärte eingangs, dass Obstbaumschnitt keine Kunst sondern ein Handwerk ist, das man erlernen kann. Kunst lässt sich oft nur schwer einschätzen, wogegen die Qualität von Handwerksarbeit objektiv beurteilt werden kann. Das gilt auch beim Obstbaumschnitt. Wird ein Baum nach den Gesetzmäßigkeiten der Natur gepflegt, gibt es regelmäßige Erträge und wenig Schnittarbeit. Wie im Handwerk üblich, ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, man lernt durch Beobachtung und Praxis.
Aber warum werden Obstbäume überhaupt geschnitten? Dafür gibt es mehrere gute Gründe. Lichte Kronen trocknen schneller ab, so dass sich weniger Krankheiten entwickeln, außerdem sind die Früchte größer und färben besser aus. Wachstum und Fruchten sind ausgeglichen, dadurch erzielen wir regelmäßige Erträge. Der wichtigste Grund aber liegt darin, dass Obstbäume züchterisch bearbeitete Kulturpflanzen sind. Im Vergleich zu Wildformen wurden sie auf frühen Fruchtertrag und große Früchte selektiert, aber nicht auf stabilen Kronenaufbau. Ihr natürliches Dickenwachstum reicht nicht aus, um hohe Fruchtlasten zu tragen ohne zu brechen. Ohne "Erziehungsschnitt" würden sie ihr potentiell hohes Lebensalter von 60 bis weit über 100 Jahren nicht annähernd erreichen. Dieser muss daher darauf abzielen, durch Anschneiden die Äste zu "stauchen" und zu mehr Dickenwachstum anzuregen. Aber auch alte Bäume brauchen regelmäßige Pflege um die hohen Fruchtlasten tragen zu können.
Zum Schnittzeitpunkt gibt es unterschiedliche Meinungen, aber wenig wissenschaftliche Erkenntnisse, außer dass es im Spätherbst - Einlagerung der Reservestoffe in die Wurzel - und bei extremem Frost Zeiten gibt, die zum Schnitt von Kernobst ungeeignet wären. Bei Steinobst und Walnuss sieht das etwas anders aus, sie sollten vorzugsweise im Sommer geschnitten werden. Allerdings hat der Schnittzeitpunkt sehr wohl Auswirkungen auf die Reaktion des Baumes:
Winterschnitt, im Zeitraum November bis ca. Mitte April, fördert das Holzwachstum und ist daher bei Jungbaumerziehung und "vergreisten" Bäumen anzuwenden. Der Sommerschnitt, Ende Juni bis Anfang August, beruhigt den Baum bei übersteigerter Triebbildung - sog. "Wasserschosser", er darf daher nicht bei Jungbäumen angewendet werden
Bevor man nun zur Säge und Schere greift, ist es wichtig, ein paar Schritte zurück zu treten, den Baum von allen Seiten zu betrachten und zu versuchen, abzulesen, wie es dem Baum gerade geht und wie er auf frühere Schnitteingriffe reagiert hat. Der Profi nennt dies "Baumansprache". Er betrachtet jeden Baum unter den Gesichtspunkten Standort, Stabilität, Vitalität und Nutzbarkeit.
Auf der Basis dieser Beobachtungen priorisiert man Schnittziele. Wobei die Verbesserung der Statik immer an erster Stelle steht. Danach kommen die Anregung der Vitalität und die Verbesserung der Nutzbarkeit. Größere Schnittmaßnahmen und Kronenumstellungen werden auf mehrere Jahre verteilt . Erst jetzt beginnt man in der beschlossenen Reihenfolge und im geplanten Umfang die Schnittmaßnahmen abzuarbeiten. Dabei sollte nie mehr als 20-30% der Blattmasse/ des Kronenvolumens in einem Jahr geschnitten werden. Man macht sich sonst langfristig viel mehr Arbeit und muss jahrelang korrigieren. Man sollte pro Baum nie länger als 1,5 – 2 Stunden schneiden und zwischendurch immer wieder von der Leiter steigen und sich ansehen, welche der priorisierten Maßnahmen bereits erledigt wurden. Nur so kann man verhindern, dass man sich an einer Stelle im Baum verkünstelt während andere, wichtige Stellen am Ende unbearbeitet bleiben müssen.
Die wichtigsten Schnittregeln:
Motorsägen und Hoch-Entaster sind das falsche Werkzeug, außer man möchte Brennholz machen. Baumsägen mit ziehendem Schnitt und Bypass-Baumscheren sind das richtige Werkzeug und werden auch von Baumpflegern verwendet. Wer sich auf der Leiter unwohl fühlt, dem hilft eine scharfe Stangensäge – auch wenn damit die Schnittführung nicht so sauber ist.
Schnitttechnik "auf Astring" beachten: nicht stammparallel - Schädigung des Stamms - oder auf Stummel schneiden - kann nicht überwallt werden. Der Astring ist meist als Verdickung/ Wulst sichtbar und sollte nach dem Schnitt stehenbleiben – er sorgt für schnelle Überwallung der Wunde. Bei stärkeren Ästen unbedingt außen "Entlastungsschnitt" durchführen, dann erst an geplanter Schnittstelle nachschneiden – sonst reißt diese dort unkontrolliert aus.
Starker Rückschnitt führt zu starkem Neuaustrieb, schwacher Schnitt zu schwächerem Neuaustrieb, kein Schnitt führt zu Beruhigung. Auch "Wasserschosser" kippen unter der Fruchtlast in den nächsten Jahren ab und werden zu Fruchtästen.
Obstbäume sind schlechte Wundabschotter:
Schnittwunden über 10 cm können oft nicht, Schnittwunden über 5 cm nur schlecht und langsam überwallt werden. Daher nur in äußersten Ausnahmefällen Schnitte über 10 cm durchführen, z.B. bei Bruchgefahr. Größere Wunden, mehr als drei bis fünf cm auf der Astoberseite sollten vermieden werden, dort bildet sich an statisch ungünstiger Stelle Fäulnis. Stattdessen sollte man besser astunterseitig "hängende" Fruchtäste durch Ableitungsschnitt entnehmen oder im Fall von problematischen, dicken "Oberseiten-Aufsitzern" die Blattmasse an diesen durch mehrere Ableitungsschnitte auf aufstrebende, aber deutlich dünnere Äste reduzieren („Ableitungsschnitt"). Sogenannte "Schlitzäste" mit einem Ansatzwinkel am Stamm/Ast steiler als 45 – 30° verwachsen selten stabil – sie laufen zeitlebens Gefahr unter Fruchtlast auszubrechen und große Schäden zu verursachen. Solche Äste am besten bereits im dünnen Stadium entfernen.
Oben im Baum mit den Schnittmaßnahmen beginnen und "oben stärker schneiden als unten“, d.h. Überbauungen auflösen, damit mehr Licht auf tiefergelegene Äste fallen kann. Mit wenigen, aber bewussten Schnitten an mittelstarken Ästen (ca. 2-5 cm Durchmesser) lassen sich viele Statik- und Belichtungsprobleme lösen.
Zum Schluss bedankte sich Werner Glück bei den Teilnehmer für ihr Interesse. Mit dem "Werkzeug" Baumansprache und einem vorsichtigen Herantasten, Beobachten der Baumreaktionen und stetigem Verfeinern der Maßnahmen auf Basis Ihrer Beobachtungen werden Sie über die Jahre große Fortschritte machen.
Mehr Violen in den Garten

Mai 2020
Abends duftet sie besonders intensiv: Daher der Name. Die Gewöhnliche Nachtviole (Hesperis matronalis) gehört zu den Kreuzblütengewächsen und wird wegen ihrem betörenden Duft schon seit Jahrhunderten im Garten kultiviert. Man hat sie ab und an auch für heilkundliche Zwecke benutzt. Hier hat die Gewöhnliche Nachtviole aber nie große Bedeutung erlangt. Ihre dünnen, rauhaarigen Stängel sind locker besetzt mit hellgrünem lanzettlichem Laub, das an den Blatträndern gesägt ist. Obenauf sitzen langgestielte, lockere Blütentrauben. Die Gewöhnliche Nachtviole erreicht eine ordentliche Höhe. Man kann sie direkt am Zaun pflanzen, wo sie im Frühsommer mit ihren freundlichen Blüten die Besucher begrüßt. Oder im Beet mit historischen Rosen zu farbenprächtigen Pflanzungen kombinieren. Die Nachtviole ist im gesamten europäische Raum zu finden. Sie wächst bis in Höhen von etwa 1200 m. Bevorzugte Standorte der Nachtviole sind schattige Auwälder und Gebüsche, sowie die Böschungen von Fluss- und Bachläufen. Sie bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte. Der Boden sollte durchlässig, humos und nährstoffreich sein. Die Gewöhnliche Nachtviole ist nicht sehr langlebig, erhält sich aber zuverlässig durch Selbstaussaat. Die Nachtviole ist eine gute Bienenweide und auch gut als Schnittblume geeignet.
Wer Fragen zum Naturgarten hat,kann sich an den Gartenfachberater Kinateder am Landratsamt 08731 87310 wenden.
Spornblumen für das Taubenschwänzchen bereit halten

Landau: Wer Geranien oder andere tiefkelchige Blumen im Garten oder am Balkon hat ,dem ist es vielleicht schon aufgefallen. Seit ein paar Tagen tauchen an den Blüten Schmetterlinge auf, die im Schwirrflug wie ein Kolibri Nektar von den Blüten saugen, Es sind Taubenschwänzchen. Sie sind in den letzten Wochen vom Mittelmeerraum über die Alpen nach Bayern eingeflogen. Taubenschwänzchen konnten bisher, wie auch einige andere Falter, bei uns wegen des härteren Klimas nicht überwintern. Allerdings profitieren Sie vom wärmer werden Klima in den letzten Jahren und fliegen immer früher ein. Vereinzelt wurden sogar schon überwinternde Tiere bei uns entdeckt. Bisher ging man immer davon aus, dass der Falter unsere Winter nicht überleben kann.
Das Taubenschwänzchen, ein tagaktiver Nachtfalter aus der Familie der Schwärmer, erreicht eine Spannweite von 40-50 mm. Sein Körper ist untersetzt, graubraun mit weißen Flecken an den Seiten des verbreiterten Hinterleibs. Sein deutscher Name leitet sich vom zweigeteilten Haarbüschel am Hinterleibsende ab, das eine gewisse Ähnlichkeit mit den Schwanzfedern von Tauben hat. Die Falter fliegen auch an stark bewölkten Tagen, bei Regen und schon bei Temperaturen um 10 ° C. Taubenschwänzchen sind wie alle Schwärmer ausgezeichnete Flieger. Ihr Flug ist sehr schnell und wendig. Beim Nektarsaugen stehen sie im Schwirrflug vor den Blüten und saugen mit ihrem langen Saugrüssel, den sie bereits beim Anflug ausrollen und zielsicher in die Blütenkelche einführen. Sie gehören zu den wenigen Insekten, die auch rückwärts fliegen können. Die Schlagfrequenz der Flügel beträgt ungefähr 70 bis 90 Schläge in der Sekunde, die Fluggeschwindigkeit beträgt in den Spitzen bis zu 80 km/h. Die Tiere legen bei ihren Wanderungen große Distanzen zurück und können bis zu 3.000 Kilometer in weniger als 14 Tagen bewältigen.
Der Energieverbrauch der Taubenschwänzchen ist, bedingt durch ihr Flugverhalten, enorm hoch. Sie benötigen pro Tag etwa 0,5 Milliliter Nektar. Um diese Menge zu saugen, müssen entsprechend viele Blüten in kurzer Zeit angeflogen werden. Ein Taubenschwänzchen kann deshalb bei zusammengesetzten Blütenständen, wie bei der abgebildeten Italienischen Spornblume bis zu 100 Blüten in der Minute aussaugen.