Wiesenbrüter unter Druck durch Gewerbegebiete

Das Isarmoos im Landkreis Dingolfing-Landau ist mittlerweile einer der wichtigste Lebensräume für wiesen- und feldbrütende Vogelarten in Bayern. Doch ein ungebremster Flächenverbrauch, durch die Ausweisung von Gewerbegebieten im Isarmoos, erhöht den Druck auf die dort lebenden Wiesenbrüter. Über die heutige Pressefahrt wurde in den Medien breit berichtet.

26.09.2017

Das Isarmoos im Landkreis Dingolfing-Landau ist mittlerweile einer der wichtigste Lebensräume für wiesen- und feldbrütende Vogelarten in Bayern. Doch ein ungebremster Flächenverbrauch, durch die Ausweisung von Gewerbegebieten im Isarmoos, erhöht den Druck auf die dort lebenden Wiesenbrüter.

„Durch die massive Ausweisung von Gewerbeflächen entlang der A92 schrumpft der Lebensraum stark gefährdeter Wiesenbrüter immer weiter. Die drohende Lockerung des Anbindegebots in der geplanten Änderung des Landesentwicklungsprogramms wird diesen Druck auf die Landschaft noch erheblich verschärfen“, äußert sich Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz. „Nicht nur Kiebitz und Co verlieren, sondern wir alle. Denn mit dem fruchtbaren Boden gehen viele für uns wichtige Funktionen verloren und langfristig gewinnt dabei niemand.“ Der BN appelliert daher an alle Landtagsabgeordneten, der geplanten Änderung des LEP im Landtag nicht zuzustimmen. Seit vier Jahren herrscht entlang der A 92, die durch das Isartal läuft, enorme Bautätigkeit: Industriegebiete bei Wallersdorf links und rechts der Autobahn, Autohof östlich von Pilsting, neues Industriegebiet bei der Autobahnausfahrt Großköllnbach, Industriegebiet bei Gottfrieding, aber auch kleine Eingriffe wie das geplante Gewerbegebiet bei Ganacker. „Die Pläne der verantwortlichen Politiker können dazu führen, dass künftig eine Front von Logistikhallen aus Blech die Autobahn fast die gesamte Strecke von Landshut bis Deggendorf säumt“, führt Alois Aigner 1. Vorsitzender der Kreisgruppe Dingolfing-Landau aus. Er argumentiert noch weiter: „Die Ausweisung von Gewerbe- und Industrieflächen erfolgt völlig am tatsächlichen Bedarf vorbei. Der ungebremste Wettbewerb der Kommunen untereinander zerstört wichtige Naturräume und schadet mittelfristig am meisten den Kommunen“.Das Isarmoos ist mit 87 Brutpaaren des großen Brachvogels und 720 Kiebitz Brutpaaren, Spitzenreiter in der vom Landesamt für Umweltschutz bayernweit durchgeführten Wiesenbrüterkartierung. Der Kiebitz ist in Bayern und Deutschland stark gefährdet, der Große Brachvogel sogar vom Aussterben bedroht und auch in  ganz Europa gelten beide Arten wegen starker Rückgänge bereits als gefährdet („vulnerable“). Der Bestand der meisten Wiesenbrüter in Bayern ist stark rückläufig, sie sind die Verlierer der Landschaftsveränderung des letzten Jahrhunderts. Wiesenbrüter sind Vogelarten, die ihre Nester auf dem Boden in Wiesen oder auch auf spät bewachsenen Äckern bauen. 

Am Gewerbegebiet Gottfrieding, erläutert Franz Meindl im Namen der Kreisgruppe, den geplanten Eingriff. Das Gewerbegebiet liegt in der Wiesenbrüterkulisse und führt zu dem Verlust der südlich der Autobahn gelegenen Brutgebiete. Durch den funktionellen Zusammenhang der Populationen der Gebiete im Süden, geht damit auch eine Beeinträchtigung der Naturschutzgebiete (FFH und SPA-Gebiet) nördlich der Autobahn einher. Die Politik brach damit das Tabu einer Industrieansiedlung in der Wiesenbrüterkulisse. „Wir fordern eine strikte Vermeidung von Flächenverlusten in Wiesenbrütergebieten.“ So Weiger. „Außerdem müssen an die Prüfung von Eingriffen für derart gefährdete Arten höhere Anforderungen gestellt und strenge Vorgaben zum Schutz europäischer Schutzgebiete eingehalten werden.“ Nun entsteht auch ein neues Gewerbe- und Industriegebiet an der Ausfahrt Großköllnbach-Pilsting. "Der BN lehnt dieses Projekt in aller Entschiedenheit ab. Hier wird das Anbindegebot umgangen, da sich das 20 ha große Gelände inmitten einer artenreichen Naturlandschaft befindet, die auch die Heimat vieler geschützter Vogelarten ist“, erklärt Franz Anneser Vorstand der BN-Ortsgruppe Moosthenning. Durch indirekte Auswirkungen wie die Barrierewirkung, Licht und Unruhe sind heimische Tierarten auf mindestens 70 ha betroffen, was kaum ausgeglichen werden kann. Noch kann dieses Gewerbegebiet nur über eine Ausnahmeregelung, die bei hohen Lärm und Abgasemissionen gilt, vom Anbindegebot befreit werden. Nach der geplanten Lockerung des Anbindegebotes in der LEP-Änderung, die noch heuer im Landtag beschlossen werden soll, wird eine Bebauung entlang von Autobahnen die Regel sein. „Hier kann man sehen, wie Bayern ohne das Anbindegebot sein Gesicht und die Natur an Reichtum verliert“, so Weiger.Rasend schnell geht es jetzt  mit dem Zubauen des Mooses voran, einer Landschaft, die vorher jahrhundertelang weitgehend der Natur und der Landwirtschaft gehörte. „Auch kleine Eingriffe wie das Gewerbegebiet bei Ganacker führen zur Landschaftsparzellierung und Kulissenwirkung und erhöhen den Druck auf Kiebitz, Brachvogel und Feldlerche, die weite, übersichtliche Landschaften brauchen“ erläutert Franz Meindl. Gebäude, Auffahrtsrampen aber auch höhere Gehölzstrukturen führen langfristig zur Aufgabe des Gebietes als Brutrevier, worin die größte Gefahr liegt. Auch wenn die Brutplätze der Vögel nicht direkt überbaut werden, wird auch die randliche Bebauung die Vögel auf Dauer vertreiben. Die dramatische Veränderung dieser Landschaft und die gezeigten Beispiele lassen für den BN nur eine Konsequenz zu: „Die Aufweichung des Anbindegebotes muss im Landtag verhindert werden, denn wenn Bayern sein Gesicht bewahren möchte, muss den maßlosen Flächenverbrauch in Bayern gestoppt werden“, appelliert Hubert Weiger an die Abgeordneten des Bayerischen Landtags.