Isarmoos war unfreiwilliges Schwerpunktthema 2017

Dingolfing-Landau: Nirgens in Bayern gibt es noch so viele Brachvögel und Kiebitze wie in unserem Landkreis im Isarmoos. Mit 87 Brutpaaren des großen Brachvogels und 720 Brutpaaren Kiebitz sind wir Spitzenreiter in der Wiesenbrüterkartierung, die vom Landesamt für Umweltschutz bayerrnweit durchgeführt wurde. Beide Vogelarten sind nicht nur deutschlandweit, sondern sogar in der ganzen EU stark gefährdet. Ausruhen darf sich unser Landkreis aber auf dieser Spitzenposition nicht, denn damit hat er eine ganz besondere Verantwortung für das Überleben dieser Arten. Wenn wir sie aussterben lassen, hat das europaweite Auswirkungen. Ausserdem ist es eine Spitzenreiterrolle auf sehr niedrigem Niveau, denn noch vor wenigen Jahrzehnten waren es doppelt so viele Wiesenbrüter und auch mehr Arten. So gab es in unserem Isarmoos früher Birkhühner, Braunkehlchen, Bekassinen, Grauammer. Sie alle haben sich in den letzten Jahrzehnten für immer aus unserem Landkreis verabschiedet. Ein Verlust, der nicht für möglich gehalten wurde und doch passiert ist. Kiebitz und Brachvogel darf nun nicht noch das gleiche Schicksal ereilen. Aus diesem Grund hat die Bund Naturschutz Kreisgruppe das Isarmoos zu ihrem Schwerpunktthema des Jahres gemacht.

Warum das Isarmoos gerade jetzt wieder in den Fokus des Naturschutzes rückt, liegt an der neuerlichen Welle von Industriegebietsausweisungen. Nach dem Bau der A92 war es jahrzehntelang ziemlich ruhig mit Bautätigkeiten im Moos. Das hat sich in den letzten 4 Jahren allerdings gravierend geändert. Industriegebiete bei Wallersdorf links und rechts der Autobahn, Autohof östlich von Pilsting, neues Industriegebiet bei der Autobahnausfahrt Großköllnbach, Industriegebiet bei Gottfrieding. Rasend schnell geht es jetzt  mit dem Zubauen des Mooses voran, einer Landschaft, die vorher jahrhunderte lang weitgehend der Natur und der Landwirtschaft gehörte. Bisher wird noch nicht direkt ins Moos gebaut sondern an den Rändern. Dies ist aber für die Tierwelt ebenfalls sehr problematisch wegen der zunehmenden Unruhe bei Tag und Nacht, des noch mal stärkeren Freizeitdrucks, der weiteren optischen Einengung und optischen Zerstückelung des Mooses. Kiebitz, Brachvogel und Feldlerche brauchen weite, übersichtliche Landschaften. Gebäude, Auffahrtsrampen aber auch höhere Gehölzstrukturen führen langfristig zur Aufgabe des Gebietes als Brutrevier. Und genau das befürchtet der BN am meisten. Auch wenn die Brutplätze der Vögel nicht direkt überbaut werden, wird auch die randliche Bebauung die Vögel auf Dauer vertreiben. In seiner Jahreskampagne wird der BN vor allem versuchen den Wert und die Schönheit des Mooses auf zu zeigen. Denn eine alte Naturschutzweisheit heißt: Der Mensch schützt am liebsten das,  was er kennt.  

Eine beispiellose Industriewelle rollt über das Isartal

Eine beispiellose Industriewelle rollt über den Landkreis Dingolfing-Landau insbesondere entlang der Autobahn A92. Immer mehr Industriegebietsausweisungen machen das Isartal zu eine bald lückenlosen Kette von Gewerbegebieten: Logistikzentrum  Wallersdorf, Autohof und Gewerbegebiet Pilsting, Gewerbegebiet Großköllnbach, Gewerbegebiet Gottfrieding. Eine Front von Logistikhallen aus Blech soll künftig die Autobahn von Landshut bis Deggendorf säumen, wenn es nach dem Willen der verantwortlichen Politiker geht. Dabei ist das Isarmoos in unserem Landkreis mittlerweile der wichtigste Lebenraum für wiesen- und feldbrütende Vogelarten wie Kiebitz, Großer Brachvogel, Flußregenpfeifer, Feldlerche, Schafstelze in ganz  Bayern. Aktuell ist an der Autobahnausfahrt Großköllnbach-Pilsting ein neues 20ha großes Gewerbe und Industriegebiet in Planung, bei dem 1 Brachvolgelbrutplatz, 7 Kiebitzbrutplätze, mehrere Feldlerchenbrutplätze, mehrere Schafstelzenbrutplätze, mehrere Flußregenpfeiferbrutplätze und mehrere Eremitenbäume zerstört würden. Die indirekte Auswirkung diese Tierarten beträgt durch Barrierewirkung, Licht und Unruhe mindestens 70 ha. Die Naturschutzbehörde ist wohl machtlos, diese Lebensraumzerstörung zu stoppen. Mit 9,6 ha Ausgleichsfläche, die noch dazu großenteils an ungeeigneter Stelle liegen, soll das Ganze ausgeglichen werden. Naturschützer kartieren seit mehreren Jahren die wiesen- und feldbrütenden Vogelarten in unserem Landkreis und wissen daher, dass dies nicht funktionieren wird. Hauptbetreiber der Gebietsausweisungen sind nicht die Kommunen selber sondern wenige Investoren, welche die Gewerbegebietsausweisungen als lukratives Finanzmodell entdeckt haben. Als Erstes gehen Landeinkäufer von Haus zu Haus in den Dörfern und schließen Grundverkaufsoptionen mit den Landwirten bzw. Grundbesitzern ab. Geködert werden die Grundbesitzer mit hohen Grundstückspreisen. Wenn Sie ein Gebiet zusammengekauft haben gehen sie zur Gemeinde und beantragen die Bauleitplanung. Die Gemeinden springen darauf an wegen zu erwartenden Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätzen. Das Landschaftsplanungsbüro unterstützt Gemeinde und Investor dabei, die Naturschutzgesetze mit möglichst wenig Aufwand zu erfüllen. Mit Ausweisung als GI-Gebiet seigt der Grunstückspreis automatisch sprunghaft an, so dass es für den Investor trotz hohen Grundstückspreisen ein gutes Geschäft ist. Sobald eine Bauleitplanung läuft, sind die Grundeinkäufer schon wieder in neuen Gebieten unterwegs. Unterstützt wird das Ganze auch noch durch durch eine Besonderheit bei der Steuerabschreibung. Für Fertighallen ist die steuerliche Abschreibung von 50 auf 15 Jahre verkürzt. Sofern dem kein Riegel vorgeschoben wird, wird die Logistik-Blechhallenfront an der A92 in wenigen Jahren geschlossen und kein Wiesenbrüter mehr im Isartal sein. Ein kleines Problem ist war für die Investoren noch das Anbindegebot. Deswegen ist das GI-Gebiet Großköllbach-Pilsting für Betriebe mit besonders hohen Emissionen vorgesehen, denn dafür gibt es eine Ausnahmegenehmigung vom Anbindegebot. Wie so oft, stehen wir mit unserem Widerstand wieder mal ziemlich auf verlorenem Posten.
Und mittlerweile ist das Anbindegebot dank Söder auch schon Geschichte.