Hände weg von den Biberdämmen

Dingolfing. Josef Rehmeier und Hans Aigner von der Ortsgruppe Dingolfing und der Kreisvorsitzende des BN, Alois Aigner, besichtigten die Situation am Teisbach. Das tagelange Hochwasser der letzten Starkregenperiode haben die Biberdämme relativ unbeschadet überstanden. Selbst Restbestände der Biberdämme sind noch vorhanden und wurden nicht weggespült. Dagegen hat der Teisbach an Stellen, an denen die Biberdämme vollends entfernt wurden, während des letzten Hochwassers den Charakter eines Gebirgsbaches angenommen, da alles vor Jahren eingebrachte Material wie Granitsteine und große Randsteine aus Granit freigespült wurden. Er hat sich tief in die Erde eingegraben, sein Bachbett verbreitert und dabei Lkw-Ladungen von Kies und Erde abgetragen. Das Material wurde an anderer Stelle wieder angelandet und muss dort kostenaufwendig entfernt werden. Derzeit führt der Bach wieder seine normale Wassermenge und wirkt in seinem überdimensionalen Bachbett etwas verloren. Es hat sich wieder einmal erwiesen, dass der Biber der bessere Wasserbauer ist. Der Bund Naturschutz fordert deshalb, dass in Zukunft im Teisbach Biberdämme nur noch entfernt werden, wenn dies aus Sicherheitsgründen unbedingt erforderlich ist. Biberdämme verzögern den Wasserabfluss, verhindern eine weitere Eintiefung des Baches und fangen vom Wasser angeschwemmtes Material auf. "Damit leistet der Biber kostenlos einen wertvollen Beitrag zum Hochwasserschutz", so BN-Kreisvorsitzender Alois Aigner.

Der Biber ist unersetzbarer Naturschutzhelfer

Warum die Bund Naturschutz Kreisgruppe Dingolfing-Landau gegen den Abschuss des Bibers im Landkreis ist.

 Es ist nicht mehr gut bestellt um den Ruf unseres Naturheimkehrers, den Europäischen Biber in unserem Landkreis. Mit großer Geschlossenheit forderten letzte Woche Bauern, Förster und Politiker in Eichendorf die Bestandsregulierung mit der Waffe. Die Presse berichtete.  Die Schäden seien einfach zu groß, um sie noch dulden zu können. Von 12000.- € im Jahr war die Rede, allerdings ohne faktische Untermauerung dieser Zahl. Man konnte sich beim Lesen des Eindrucks nicht erwehren, dass alle Anwesenden sich die Zeiten zurückwünschten, als der Biber noch ausgerottet war. Wir vom  Bund Naturschutz sind da anderer Meinung. Wir sind gegen den Abschuss:

  • Weil der Biber gesetzlich geschützt ist
  • Weil es ein großer Erfolg ist, wenn eine ausgestorbene Art wieder angesiedelt werden kann.
  • Weil der Biber in vielen anderen Teilen Deutschlands und Europas sehr selten ist.
  • Weil man seltene Arten da schützen muss, wo sie häufig sind.
  • Weil andere Wildtiere trotz Bejagung wesentlich höhere Schäden verursachen, als der Biber
  • Weil wir auch von anderen Ländern verlangen, wildlebenden Tieren einen Lebensraum zu geben. (Kraniche in Spanien, Großtiere in Afrika, Tiger in Indien etc.)
  • Weil der Biber hervorragende neue Biotope für Rote Liste Arten schafft.
  • Weil der Biber hervorragende Arbeit bei der Umsetzung des Staatszieles Wasserrückhaltung in der Fläche leistet.
  • Weil der Biber nicht gefährlich ist (anders als Wolf und Bär)
  • Weil der Biber seinen Bestand selber reguliert, nur an Gewässern lebt und sich nach Besetzung aller Reviere nicht weiter ausbreitet.
  • Weil sich die Landwirte bei regelmäßiger Kontrolle ihrer Bachfelder selber gut vor Biberschäden schützen können.
  • Weil es im Gegensatz zu anderen Wildtieren beim Biber kostenlose behördliche Unterstützung und sogar Ausgleichszahlungen gibt.
  • Weil es möglich wäre durch Bodenordnerische Maßnahmen die Biberschäden in Nutzen für die Gesellschaft um zu wandeln. z.B. Überschemmungsflächen belassen und  durch Flächentausch aus der Nutzung nehmen.
  • Weil der Biber ein Teil der Schöpfung ist, genau wie wir selber.

Biber schafft Biotope von höchstem Wert.

Mit 23000 Haaren pro cm² hat der Biber eines der dichtesten Felle in unserer Tierwelt.

Kurzlich fand sich in der örtlichen Presse ein Foto eines idyllischen Altwassers an vermutlich in den Isarauen fotografiert, in welchem junge Weiden, lagen. Die Überschrift lautete. „Der Biber richtet enorme Schäden an“. Betrachtet man das Bild weiter bekam man allerdings langsam Zweifel, wo da der Schaden ist, so der Bund Naturschutz.  Der Wert der Bäume kann es kaum sein, denn wer schon mal Weidenholz verkaufen wollte weiß, wie unbeliebt dieses Weichholz ist. Außerdem könnte man die Bäume ohne Weiteres noch als Brennmaterial nutzen. Man bräuchte sie nur aus dem Wasser ziehen. Der BN vermutet deshalb, dass der Verfasser des Artikels doch mehr den Schaden an der Natur im Visier hatte. Gesunder Baum bedeutet Leben und damit Naturschutz, liegender Baum Tot und damit Naturzerstörung. Dies mag vielleicht richtig sein, wenn man nur den Baum betrachtet. Leider funktioniert unsere Natur aber ganz anders und viel komplizierter, so der Bund Naturschutz.  Das Sterben ist im Kreislauf der Natur genauso wichtig wie das Keimen und Wachsen. Die umgenagten Weiden haben im Wasser liegend für die Natur einen mindestens so hohen Wert wie stehend. In Ihrem Schutz entsteht neues Leben von höchstem Wert auf und unter Wasser. Jungfische, Amphibien, Libellenlarven und verschiedene andere Wassertiere fühlen sich zwischen den im Wasser liegenden Bäumen besonders wohl. Sie sind hier vor Fressfeinden wir Kormoran und Reiher gut  geschützt. Der Eisvogel dagegen freut sich über dieses erhöhte Nahrungsangebot. Die aus dem Wasser ragenden Äste und Zweige nutzt er als Ansitz für seine Jagd.  Teichhuhn , Wasserralle, Stock-, Krick- und die seltene Knäckente verstecken sich gerne zwischen den Stämmen und ziehen hier ihre Kücken groß. Sogar Schildkröten wurden schon auf solchen Naturfloßen beim Sonnen beobachtet. Bisher waren es immer verwilderte Zuchttiere Bei mehr Wildnis in unseren Auen wäre es aber auch denkbar, dass die vom Aussterben bedrohte Europäische Sumpfschildkröte wieder geeignete Lebensräume findet. Auch seltene Pilze, die genau auf  Holz im Wasser spezialisiert sind, bekommen hier wieder eine Chance. Der BN ist sich sicher, dass man sich um die Natur wegen des Bibers keine Sorgen machen muss. Die Vorteile seiner Fäll- und Stautätigkeit wären immens, wenn man dem Tier nur mehr Raum geben könnte. Im Schlepptau des Bibers entstehen Feuchtbiotope von höchster Artenvielfalt und das kostenlos. Wenn dies allerdings auch in den öffentlichen Altwässern und  an der Isar nicht mehr möglich ist, bleibt nur noch alle Biber beseitigen und damit wieder eine Art ausrotten. Wenn wir das immer noch grassierende Artensterben in unserem Land bremsen wollen, brauchen wir  Mut zur Wildnis und Toleranz gegenüber der Natur und nicht das längst überholte Schädling – Nützling- Denken, so der Bund Naturschutz.