In Asien als Heilpilz hochbegehrt

Von dem schmettlingshaften Aussehen seiner Fruchtkörper hat der Pilz seinen Namen (Foto:Meindl)
Dezember 2015
Wer jetzt durch den winterlichen Wald spazieren geht, kann an Laubholzstümpfen die Schmetterlingstramete (Trametes versicolor) entdecken. Sie wächst bereits seit Ende September und erscheint wenn es kühler wird. Es sind dünnfleischige , auffallend samtige zonierte, weißfleischige Fruchtkörper , die wie Blumenrosetten aussehen.  Die Farbpalette reicht von blauschwarz, grünschwarz, rotschwarz.  Dazwischen sind hellere, bräunliche Zonen. Der Hutrand ist weiß. Auf der Unterseite befindet sich eine weiße bis cremefarbene Röhrenschicht. Das weiße Fleisch ist durch eine sehr feine schwarze Linie vom Hutfilz abgetrennt. Es ist korkig zäh, manchmal etwas biegsam und sehr dünn.  Der Geruch ist unbedeutend. Die Schmetterlingstramete ist kein Speisepilz, dafür ist sie viel zu zäh und geschmacklos. Gelegentlich sieht man diesen sehr schönen Pilz in floristischen Gestecken sowie auf Kunsthandwerker-und  Christkindlmärkten. Was die Schmetterlingstramete  aber besonders interessant und zum Studienobjekt einer Flut von Publikationen in asiatischen Ländern macht, sind seine pharmakologisch wirksamen Inhaltstoffe. Der Schmetterlingsporling ist vermutlich der bestuntersuchte Pilz überhaupt. Seine Wirkung ist durch zahlreiche Studien und Forschungsreihen belegt.  Vor allem in Asien werden zahlreiche Medikamente daraus hergestellt und bei einer ganzen Reihe von bösartigen Erkrankungen (Magen, Brust, Bauchspeicheldrüse, Darm, Lungen, Mund- und Rachenkrebs) eingesetzt.  Die Inhaltstoffe stimulieren das Immunsystem und führen zum Absterben von Krebszellen. Sie wirken antiviral, werden zur Grippevorsorge, zur begleitenden Therapie bei Hepatitis und HIV- Infektionen eingesetzt.  In asiatischen Ländern wird dieser Heilpilz zusätzlich bei der Chemo- und Strahlentherapie verwendet.  Die kombinierte Anwendung soll das Immunsystem schützen und hat zur Folge, dass die herkömmliche Krebstherapie besser vertragen wird. Es erhöht sich der Behandlungserfolg und die Lebensqualität des Patienten. DieTraditionelle Chinesische Medizin TCM nutzt den Heißwasserextract aus dem ganzen Fruchtkörper des Pilzes. Da der dekorative Pilz bei uns in freier Natur an feuchten Stellen auf Baumstümpfen und Ästen häufig anzutreffen ist, kann man sich damit leicht selbst versorgen. Die Fruchtkörper sind verwendbar, solange die Poren weiß sind und sich auf der Oberseite keine Flechten und Moose  befinden. Getrocknet und als Tee zubereitet kann man die Schmetterlingstramete mit Honig als Erkältungstee versuchen, zur Geschmacksverbesserung kann man Honig oder einen anderen Kräutertee beigeben. Die Lagerung des getrockneten Pilzes ist schwierig, da dieser leicht von Käfern und Motten befallen wird. Neben der medizinischen Anwendung enthält der Pilz aber auch Inhaltstoffe, die von technischen Interesse sind. Der Pilz produziert Enzyme, die er an das Substrat abgibt. Mithilfe dieser Enzyme zerlegt er in der Natur das Holz zu kleineren Bausteinen. Diese Fähigkeit  kann man aber auch dazu nutzen, umweltbelastende Chemikalien in ihre Grundbausteine zu zerlegen. Möglicherweise kann die Schmetterlingstramete  in Zukunft bei der Sanierung kontaminierter Böden oder von belasteten Abwasser Hilfe leisten. In der früheren DDR nutzte man die Schmetterlingstramete  zur Herstellung von „Mycoholz“. Unter bestimmten Bedingungen verändert der Pilz die Struktur des Holzes derart, dass es nach der Behandlung formstabil bleibt. Mycoholz eignet sich zur Herstellung von Stiften, Linealen und anderen Zeichengeräten. Der Pilzbefall ändert das Wasserhaltevermögen des Holzes, weshalb es gerne zur Herstellung von Formen für die Glasindustrie benutzt wurde.  Weitere Auskünfte erteilt die Pilzgruppe Dingolfing-Landau  Tel. 09951 601318 .